Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs

Die Agonie und die Ekstase des Steve Jobs

von Mike Daisey

Deutschsprachige Erstaufführung
Deutsch von Jennifer Whigham und Anne-Kathrin Schulz

Sie ist voller Wunder – die Apple-Welt der ultradünnen, sanft leuchtenden Laptops, die Welt, in der Menschen ein so inniges Verhältnis zu ihrem Mobiltelefon aufbauen, dass man von Freundschaft sprechen kann. Dem langjährigen Apple-Fan und New Yorker Künstler Mike Daisey begegnete die dunkle Seite seines besten Freundes 2010 nördlich von Hongkong. Denn dort, im chinesischen Shenzhen, endet sie, die Zauberwelt von iPhone, iPod und iPad. „iCity“ wird die gigantische Fabrikwelt des Elektronikproduzenten Foxconn genannt, der nach Mitarbeiter-Selbstmorden Fangnetze zwischen die Hochhäuser spannen ließ. 2010 hatte Mike Daisey in Shenzhen heimlich recherchiert. In seinem Theaterabend The Agony and the Ecstasy of Steve Jobs erzählt er aber nicht nur von Minderjährigen, deren Hände durch das Reinigungsmittel für iPhone-Displays nervlich geschädigt wurden. Es ist auch die Geschichte eines glühenden Apple-Verehrers, dem die Unschuld abhanden kommt. Und die seines großen Helden: Steve Jobs, der als „iGod“ verehrte Erfinder von Kult-Produkten für die Informations-Elite. Charismatischer Frontmann eines Weltkonzerns mit der Philosophie „Think different“, der genau dafür geliebt wird, anders zu sein als alle anderen – es aber ausgerechnet in einer ethischen Kernfrage offenbar nicht ist. Westliche Doppelmoral in Zeiten der Globalisierung: Kann eine visionäre Firma, die für ihre Liebe zum Detail berühmt ist, über die Zustände an ihrem Hauptproduktionsstandort nichts gewusst haben? Und: Welchen ethischen Preis sind Konsumenten bereit, für ihre Technologieverliebtheit in Kauf zu nehmen?

Mike Daisey (*1976), amerikanischer Schauspieler und Autor von über fünfzehn Bühnenprogrammen, tourt mit seinem Erfolgsmonolog seit der Uraufführung 2010 in Portland durch Amerika und beflügelte die öffentliche Debatte über Globalisierungsethik. Die New Yorker Premiere im Oktober 2011 fand auch international große Beachtung – wenige Tage zuvor war Apple-Chef Steve Jobs verstorben.

Sonntag, 9. Juni 2013, 20.15 Uhr im Studio

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