Überholt? Theater und Film im digitalen Zeitalter

// CYBERTALK 3

Diskussion mit Claudia Bauer, Daniel Hengst, Lars Henrik Gass und Kay Voges

Theater und Kino galten einst als Orte, an denen die Gemeinschaft der Wahrnehmenden ihre eigenen Voraussetzungen hinterfragte: Das Publikum setzte sich im selben Raum und zur selben Zeit einer ästhetischen Erfahrung aus, die im besten Fall eine Attacke auf die Wahrnehmung, auf die herrschenden Moralvorstellungen, auf das je eigene Verständnis von der Welt darstellte – so dass jeder Einzelne nicht umhin kam, mit den anderen Zuschauern das Erlebte zu reflektieren. Von dieser Praxis der Kommunikation erhoffte man sich die Katalysierung des Neuen, Anderen und Unplanbaren. In ihr erkannte man die gesellschaftliche Wirkung von Theater und Kino.

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Und heute? Die darstellenden Künste sehen sich einer Entwicklung gegenüber, in deren Zuge sich das Zuschauerverhalten radikal ändert. Filme werden eher zuhause als Blu-Ray oder Live-Stream konsumiert, und die unbegrenzte Zugänglichkeit von Kunst und Unterhaltung über das Netz führt zu einer fragmentierten, oberflächlichen Endverwertung – die der alten, bedingungslosen Attacke auf die Wahrnehmung von Kino und Theater nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen hat. Oder?
Wie steht es um die gesellschaftliche Wirkung der darstellenden Künste in Zeiten der Digitalisierung wirklich? Müssen Kino und Theater eine Allianz schmieden? Oder wird sich jede Disziplin auf ihre Kernkompetenzen zurückziehen müssen? Oder werden wir in Zukunft noch viel interdisziplinärer denken und alle Genre-Grenzen endgültig aufheben müssen?
Freuen Sie sich auf eine kontroverse Podiumsdiskussion mit Künstlern und Kuratoren, die zwischen Theater, Film und Netz zu arbeiten begonnen haben.

Regisseurin Claudia Bauer leitete von 1999-2004 das Theaterhaus Jena und inszenierte außerdem u.a. an den Staatstheatern Stuttgart und Schwerin, in Halle, Hannover, Graz, Wuppertal, Magdeburg und Berlin. Am 2. Juni 2013 feiert ihre erste Arbeit am Schauspiel Dortmund Premiere, Rainer Werner Fassbinders Welt am Draht.

Daniel Hengst arbeitete als Kameramann, Cutter und Co-Regisseur für verschiedene Dokumentarfilme und seit 2008 als Videokünstler, Regisseur und Programmierer an Theaterprojekten in Leipzig und Dortmund.
Am Schauspiel Dortmund debütierte er als Videokünstler in der Spielzeit 2010/11 bei Visitor Q. In der Spielzeit 2011/2012 war er als Kameramann und Videokünstler festes Ensemblemitglied. Zur Spielzeiteröffnung der Schauspiel-Saison 2012/13 war er Kameramann und Cutter für Kay Voges‘ Einige Nachrichten an das All von Wolfram Lotz. Im Februar 2013 realisierte er das Projekt Der Live-Code: Krieg und Frieden im globalen Dorf nach Marshall McLuhan als multimediales Theaterexperiment im Studio.

Kay Voges ist Schauspieldirektor am Theater Dortmund. In seinen Regiearbeiten der letzten Jahre versuchte er immer wieder Grenzgänge zum Film und zur Videokunst, so zum Beispiel in Der Meister und Margarita nach Michail Bulgakow, in Wolfram Lotz’ Einige Nachrichten an das All (eingeladen zum NRW-Theatertreffen 2013) und in Das Fest nach Thomas Vinterberg und Mogens Rukov. Während seiner Zeit als Schauspieldirektor entstanden in Dortmund verschiedene Inszenierungen, die sich dem Thema der Digitalisierung und ihren sozialen Folgen annahm, so z.B. Stadt ohne Geld von kainkollektiv und sputnic, Der Live-Code: Krieg und Frieden im globalen Dorf von Daniel Hengst oder Welt am Draht von Rainer Werner Fassbinder in der Inszenierung von Claudia Bauer. Für seine Regiearbeiten wurde Kay Voges mehrfach ausgezeichnet.

Lars Henrik Gass ist seit 1997 Leiter der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen. Er studierte Studium der Literatur- und Theaterwissenschaften sowie Philosophie an der Freien Universität Berlin und promovierte mit einer Studie über die französische Schriftstellerin und Filmemacherin Marguerite Duras. Die Promotion ist als Buch unter dem Titel Das ortlose Kino. Über Marguerite Duras (2001) erschienen. 1996/97 war Gass Geschäftsführer des Europäischen Dokumentarfilm Instituts in Mülheim an der Ruhr, und arbeitete dort als Redakteur der Buchreihe ‚Texte zum Dokumentarfilm‘ und der Zeitschrift ‚DOX – Documentary Film Quarterly‘. Er verfasste zahlreiche Kritiken, Essays und Vorträge zu Fotografie, Film und kulturpolitischen Themen und hatte verschiedene Lehraufträge zu Film und Kulturmanagement. Lars-Henrik Gass war Mitherausgeber des Bandes ‚Provokation der Wirklichkeit. Das Oberhausener Manifest und die Folgen (2012) sowie Autor des Buches ‚Film und Kunst nach dem Kino (2012).

Moderation: Alexander Kerlin

Sonntag, 9. Juni, 16 Uhr, Hackerspace im Rangfoyer

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