appendix A: Das Theater als Bio-Adapter mit Daniel Hengst

PERFORMANCE / SEMINAR

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4 Tage lang forscht eine Gruppe aus Künstlern, Programmierern, Technikern, Schauspielern und Wissenschaftlern zur Frage nach der technischen Optimierung des menschlichen Körpers – und schlägt eine Brücke zu den mit dieser Optimierung verbundenen utopischen und dystopischen Diskursen. Das Ensemble wird die Veranstaltungen des // CYBERLEIBER Festivals besuchen und dabei Daten sammeln, filtern und neu samplen. Ziel: Die gemeinsame Erarbeitung von möglicher Hard- und Software für einen Bio-Adapter. Am Ende des Festivals zeigt das Ensemble eine gemeinsame Performance im Hackerspace im Rangfoyer, verbunden mit der Präsentation des // CYBERLEIBER-Manifesto.

 

Ausgangspunkt der Forschungsreise durch das Festival ist ein Text von dem Kybernetiker, Mathematiker und Schriftsteller Oswald Wiener aus den frühen 1960er Jahren. Wiener, führender Kopf der berüchtigten Wiener Gruppe, hat in einem berühmt gewordenen Nachwort zu seinem Hauptwerk „die verbesserung mitteleuropas, roman“ die Konzeption eines Bio-Adapters dargelegt: Eine Art „Glücksanzug“, mit dessen Hilfe Wiener provokativ die „vollständige Lösung aller Welt-Probleme“ anstrebte – und zwar durch die „Liquidation des homo sapiens. Der Mensch, außerhalb seines Adapters ein preisgegebener, nervös aktivierter und miserabel ausgerüsteter (Sprache, Logik, Denkkraft, Sinnesorgane, Werkzeug)
Schleimklumpen, geschüttelt von Lebensangst und von Todesfurcht versteinert, wird nach Anlegen seines Bio-Komplements zu einer souveränen Einheit, die des Kosmos und dessen Bewältigung nicht mehr bedarf, weil sie auf eklatante Weise in der Hierarchie denkbarer Wertigkeiten über ihm rangiert.“

Wiener dachte dabei konkret: „Der Einbau eines Gelenks zwischen Schulter und Ellenbogen wird eine neue Ära des Rückenwaschens einleiten.“ Der Bio-Adapter „legt sich –  von außen betrachtet – zwischen den ungenügenden Kosmos und den unbefriedigten Menschen. Er schließt diesen hermetisch von der herkömmlichen Umwelt ab und greift nur in den ersten Stadien der Adaption auf zu diesem Zweck gespeicherte eigene Informationen zurück. Der Mensch genießt dabei zunächst eine aufbereitete, therapeutisch angereicherte Wahrnehmung ausgewählter Aspekte des erinnerten Kosmos.“

Legt sich das Theater wie ein Glücksanzug zwischen den ungenügenden Kosmos und den unbefriedigten Menschen? Oder brauch es dafür einen radikalen Neuentwurf? Und was können wir heute, 50 Jahre nach Oswald Wieners provozierenden Thesen, über unsere technologische Umgebung aussagen? Funktionieren Netz und unsere Endgeräte schon wie ein Glücksanzug?

Dem Forscher-Ensemble stehen 3 Kameras, 1 Tonaufnahmegerät, unbegrenzt Zettel und Stift, 1 Computer sowie seine Smartphones, Gehirne und Körper zur Verfügung. Es arbeitet gemeinsam in den Räumen des Theaters (Foyer, Hackerspace, Probebühne). Gründungstreffen ist Donnerstag, 6. Juni um 14 Uhr im Hackerspace im Rangfoyer am großen Tisch: Lesen des Textes von Oswald Wiener, Diskussion und erste Ideenfindung. Während der 4tägigen Arbeit können interessierte Festivalbesucher zur Arbeit am Bioadapter hinzustoßen.

Liste der Teilnehmer*innen (Stand 29. Mai): Saskia Seiffert, Laura Rehkuh, Sebastian Graf, Mario Simon, Lucas Pleß, Kai Wittkowski, Daniel Hengst

9. Juni 2013, 17 Uhr, Hackerspace im Rangfoyer, Eintritt frei

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